Statt Strand. Wie unser kleiner Mann zur Welt kam.

Schon während der Schwangerschaft sagte meine Ärztin – eine super nette ältere Inderin mit witzigen Akzent – das dieses Baby groß sei. Sie sagte, dass sie mich bzw. die Geburt ab einem gewissen Zeitpunkt künstlich Einleiten wollte. Die Schwangerschaft war für mich nicht wirklich einfach, auch weil meine kleine, süße, energiegeladene Maus – die “große Schwester” – mich ständig auf Trapp hielt. Die Option von einer möglichen Einleitung der Geburt machte mir sehr viel Angst. Es soll doch so viel mehr schmerzhaft sein, hatte ich gehört. Einige meiner Freundinnen die selber eingeleitet wurden versuchten mich zu beruhigen, ‘so schlimm ist es garnicht nicht’ sagten sie. Angst hatte ich trotzdem. Also tat ich alles was man eben so tut. Himbeerblätter Tee, Heublumen Bäder, Ananas essen… Aber es schien sich nichts zutun. Der Bauch hatte sich nicht mal “gesenkt”.

Irgendwann meinten mein Mann, meine Hebamme und sämtliche Mama Freundinnen, ich solle mich doch einfach nur entspannen. Also entschied ich, den Luxus, in der Nähe des Meeres zu wohnen, ausnutzen und am Morgen des 5. Septembers mit meinem Mann zum Strand zu fahren um dort einen kleinen Entspannungsspaziergang zu machen.

Auf dem Weg zum Auto hatte ich plötzlich Schmerzen im Unterleib. Mein Mann sagte: “Oh vielleicht geht es ja los?!” Ich wollte mich aber garnicht freuen und antwortete etwas frustriert, dass es bestimmt nur die blöden Senkwehen sind und die eh wieder aufhören. Ich hatte die Wahrscheinlichkeit, dass die Geburt doch natürlich starten könnte irgendwie schon völlig ausgeschlossen.

Im Auto traten diese “Unterleib-Schmerzen” dann aber wieder auf. Auch ziemlich regelmäßig. Mein Mann wurde etwas unruhig und schlug vor noch umzudrehen – wir waren an dem Zeitpunkt vielleicht 15 min gefahren. Zum Strand war es eine halbe Stunde. “Nein, ich will jetzt aber zum Strand” sagte ich mit Schmerzverzerrtem und sehr entschlossen Gesicht. Ich glaube, in dem Moment hatte mein Mann einfach nur Angst mir zu wieder sprechen darum fuhren wir weiter.

Als wir endlich am Strand angekommen waren, und meine Füße den Sand berührten schaute ich meinen Mann an und gab dann doch zu, dass es wohl doch besser währe nach Hause zu fahren. Konnte es wirklich los gehen? Ich hatte immer noch Angst mich zu freuen, weil ich dachte wenn ich mich jetzt freue, passiert bestimmt wieder gar nichts. Auf dem Rückweg rief mein Mann unsere Hebamme an. Die sagte, das sie uns zu Hause treffen würde und dann würden wir sehen, ob es Übungswehen, Senkwehen oder vielleicht doch echte Wehen seien. Kaum Zuhause angekommen musste ich mich hinlegen. Die Schmerzen waren mittlerweile so stark, das auch ich den Gedanken zulassen konnte, dass es vielleicht wirklich los geht.

Meine Hebamme meinte es wäre eine gute Idee um den Block zu laufen. Ha! Gerade als ich mich angezogen hatte, schaute ich sie entsetzt an und meinte “Oh nein, ich mache Pipi in meine Hose” – mein Gesicht hatte bestimmt die Farbe einer Tomate. Sie lachte aber nur und sagte mir, dass es kein Pipi, sondern mein Fruchtwasser sei und das wir jetzt nicht mehr spazieren gehen sondern ins Krankenhaus fahren.

Auf dem Weg fragte ich bestimmt noch 10mal ob sie sich auch wirklich sicher ist, dass ich jetzt mein Baby bekomme. Als wir bei der Registrierung waren, konnte ich vor Schmerzen kaum noch stehen, ich guckte die Schwester an und rief: “Ich bekomme ein Baby!”. Ich glaube in dem Moment habe ich es dann auch endlich realisiert. Ich schaute meinen Mann und meine Hebamme an und rief “Oh wow, ich bekomme ein Baby.” Dabei quetschte ich voller Aufregung und Schmerzen die Hand meines Mannes.

Bei der ersten Untersuchungen im Krankenhaus stellte die Schwester fest, dass mein Muttermund schon 6cm geöffnet war. Witziger Weise nannten meine Ärztin und auch die Schwestern das Baby die ganze Zeit “Sie”.
“Bald ist sie da!”
“Ihre werte sind gut!”
Dabei wussten wir an dem Zeitpunkt noch garnicht ob es eine Sie oder ein Er ist.

Nach nur 2 1/2 Stunden aber einigen Schmerzen später war “ER” dann da. Voller Freude, Liebe und Glück hielten wir unseren 4415 Gramm schweren und 55,24 cm großen kleinen Mann in den Armen. Willkommen!